Ausbildung / Training

Unsere Fohlen gewöhnen wir vom ersten Tag an an den Umgang mit uns, zunächst durch kurze Streicheleinheiten (mit der Hand oder später auch mit einer weichen Bürste) in der Box und auf der Wiese (wenn sie möchten, manche Fohlen brauchen ein paar Tage Zeit, um sich zu trauen, sich streicheln zu lassen).
Die Streicheleinheiten verteilen sich über den ganzen Körper, die Beine hinunter (um auf das spätere Hufgeben vorzubereiten), den Hals hoch bis zu den Ohren, unter dem Bauch usw. Die meisten Fohlen finden das sehr angenehm und erwidern direkt die Streicheleien. Das ist am Anfang ganz witzig, wir unterbinden dies jedoch von vornherein, weil es ganz schön weh tun kann, wenn zwei Wochen später die Zähnchen kommen. 
Grundsätzlich ist es wichtig, dem Fohlen von Anfang an begreiflich zu machen, wer der "Boss" ist, und zwar gleichermaßen liebevoll wie auch konsequent.

Das Halfter legen wir dem jungen Fohlen nach einer Woche das erste mal auf. Die Berührung am Kopf und an den Ohren kennt es ja schon, bis jetzt war es noch nie ein Problem, dem Fohlen das Halfter überzuziehen. Wir lassen es ein paar Minuten drauf, zunächst jedoch ohne Führstrick. Nach ca. zwei bis drei Wochen nehmen wir den Führstrick dazu und führen (ggf. zu zweit) das Fohlen hinter der Mutter her an. Geht es ein paar Meter brav mit, wird es gelobt und das Halfter mit Strick wird wieder abgenommen. Wichtig ist, die "Lehrübungen" nicht zu lange zu praktizieren, da das junge Fohlen nur über geringe Konzentrationsfähigkeit verfügt!

Ist das Fohlen ein paar Wochen/Monate alt und der Termin der Fohlenschau naht, binden wir es mit dem ihm bereits bekannten Führstrick an der Mutter an und führen es eine Dreiecksbahn entlang oder unternehmen mit Mutter und Fohlen am Führstrick kurze (!) Waldspaziergänge.

Ansonsten muss das Fohlen einfach nur wachsen und sich seinen Platz in der Herde sichern, man darf es auf gar keinen Fall überfordern, die Ausbildung ist noch lang genug!

Jährlinge nehmen wir auf Spaziergänge mit den Hunden mit, im Schritt und kurze Strecken im Trab, üben anhalten und wieder antreten. Auch hier gilt: nie zu lange und zu oft arbeiten, denn auch ein Jährling ist schnell überfordert.

Mit zweijährigen Stuten üben wir Trailhindernisse auf dem Reitplatz an der Hand (Plane, Stangen, Dosensack, Flattervorhang etc) und nehmen sie als Handpferd am Halfter auch schon mal auf Geländeritte mit. 

Die Longenarbeit auf unserem Reitplatz und in der benachbarten Reithalle beginnen wir mit einer Jungstute erst dreijährig, wenn es auf die Stutenschauen bzw. Feld- oder Stutenleistungsprüfung zugeht.

Hierbei gehen wir Schritt für Schritt vor, angefangen mit dem Freilongieren und anschließendem "Join Up", über das Longieren am Halfter (mit Trense darüber, die Longe dabei ins Halfter eingehakt). Hierbei lässt sich schon schnell erkennen, inwieweit das Pferd schon in der Lage ist, sich zu strecken und die Hinterhand untertreten zu lassen. Dementsprechend beginnen wir langsam mit der Beizäumung über den Dreieckszügel/ Schlaufzügel. 
Die Arbeit mit der Doppellonge setzen wir erst ein, wenn das Pferd durch das Longieren mit Beizäumung gelernt hat, den Rücken aufzuwölben und von hinten an den Zügel heranzutreten.

Mit Junghengsten, die man zur Hauptkörung bringen möchte, ist es (unserer Meinung nach zu früh) erforderlich, das Training an der Hand zu forcieren und die Longenarbeit zu beginnen, wenn sie gerade erst zwei- bis zweieinhalbjährig sind. Die Anforderungen an den Junghengst sind dabei ziemlich hoch, man möchte ja, wenn man einen Hengst zur Körung bringt, dass er sich gut bemuskelt und durchtrainiert präsentiert sowie in der Bewegung schwungvoll und elastisch zeigt. 
Bei dem Training ist ein hohes Maß an Pferdekenntnis und Fingerspitzengefühl gefragt. Der Ausbilder muss den Hengst einerseits durch adäquate Gymnastizierung und entsprechende Konditionierung soweit ausbilden, dass er hundertprozentig leistungsfähig ist, andererseits ist hierbei unbedingt zu beachten, dass das junge Pferd sich im Wachstum befindet und eine körperliche Überbelastung dauerhafte Schäden an Sehnen, Gelenken etc hervorrufen kann.
Bei diesem Training kommt wiederum der Fütterung ein sehr hoher Stellenwert zu.

Wichtig während Ausbildungszeit an der Longe ist es uns, dem Jungpferd Abwechslung zu bieten. Wir unternehmen mit ihm/ihr auch Spaziergänge oder nehmen sie als Handpferd mit ins Gelände oder machen viel Bodenarbeit mit interessanten Trailaufgaben.

Wenn das auszubildende Pferd drei- bis dreieinhalbjährig (sowohl Stuten als auch Hengste/Wallache) durch die Longenarbeit ausreichend Rückenmuskulatur aufgebaut hat und schon gelernt hat, sich vorwärts-abwärts zu dehnen, im Rücken zu schwingen und die Anlehnung zu suchen, sowie sich schwungvoll und taktrein im Gleichgewicht auf der Zirkellinie zu bewegen, beginnen wir mit der Arbeit unter dem Sattel. 

Zuerst ist es wichtig, daran zu arbeiten, dass das junge Pferd lernt, den Reiter ausbalanciert zu tragen und vertrauensvoll und durchlässig auf dessen Hilfengebung zu reagieren.

Vorteilhaft ist, dass das Pferd schon mit der Arbeit in der Reithalle, auf dem Reitplatz und mit den Gegebenheiten im Gelände vertraut ist sowie seinen Ausbilder und dessen Stimmkommandos kennt. 

Auch bei der Ausbildung / dem Training unter dem Sattel achten wir darauf, unseren Pferden durch viel Abwechslung die Arbeit möglichst interessant zu gestalten. Ziel ist, dass Pferd und Reiter zusammen arbeiten und Spaß daran haben!
Wir haben festgestellt, dass unsere Pferde neben dem Training in der Reithalle und auf dem Reitplatz auch gerne mal mit anderen Pferden in einer anderen Umgebung ausreiten, z.B. bei Orientierungsritten oder auch Freude zeigen bei der Teilnahme an Geschicklichkeitsturnieren. 

Auch die Ausfahrten mit der Kutsche durch Feld und Flur machen den Pferden Spaß und stellen eine weitere abwechslungsreiche Beschäftigung dar.

Wir haben in all den Jahren gelernt, dass sich der Trainingablauf und die sich daraus ergebenden Fortschritte bei jedem Pferd aufgrund seiner individuellen Veranlagung und seines Leistungsvermögens unterschiedlich gestalten, sowohl vom zeitlichen als auch vom inhaltlichen Ablauf. Wichtig ist, Schritt für Schritt vorzugehen, ohne das Pferd weder zu unterfordern noch zu überfordern.

Nur sinnvoll aneinander gereihte Ausbildungs- und Trainingsabschnitte, die korrekte Hilfengebung sowie der harmonische wie gleichermaßen konsequente Umgang mit dem Pferd sorgen für die notwendige Vertrauensgrundlage und Leistungsbereitschaft beim Pferd.